Apr
12

Buerokratie

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Ok, jetzt weiss ich auch etwas mehr ueber Buerokratie im Iran. Und zudem, dass die Schweizer Botschaft im Iran nicht gerade eine grosse Ahnung davon hat, an wen man sich im Iran bezueglich Visa-Angelegenheiten wenden muss. Unsere Botschaft schickte uns naemlich zur so genannten Aliens Police (Immigration Official). Beretis der “Tuersteher” wusste aber, dass wir zu einem anderen Buero gehen muessen, um ein iranisches Visum mit einmaliger Einreise in eines mit zweimaliger Einreise zu verwandeln bzw. ein neues Visum auszustellen. Wir kaempften uns aber dennoch durch die reichen, fetten und arroganten TeheranerInnen (mit Betonung auf Innen! die Upper Class hier in Teheran ist schlimmer als es unsere High Society jemals gewesen sein kann!) bis zum zustaendigen Beamten vor, der sich nach meiner persischen Einleitung anfaenglich trotz perfekten Englischkenntnissen weigern wollte, mit mir Englisch zu sprechen. Aber auch er schickte uns schliesslich zum Amt, zu welchem uns bereits der “Tuersteher” schicken wollte. Und als dieser bei der Ausgangskontrolle die fuer uns vom Beamten notierte Adresse sah, meinte er nur: “das hab ich ja schon von Anfang gesagt!”. Der Beamte machte uns aber keine grossen Hoffnungen und meinte, es sei ziemlich aussichtslos, die Visa hier im Iran abzuaendern. Nach zwei Tagen Buerokratie gaben wir aber nicht so schnell auf. Wir fuhren weiter zu diesem anderen Buero. Am Empfang wurden wir vorerst an einen bestimmten Schalter in einem bestimmten Zimmer verwiesen. Dort fuehrte uns ein sehr sympathischer spanisch sprechender Beamte mit Schildkroetengesicht zu einem anderen Zimmer, wo ein offenbar ziemlich hoher anderer Beamte auf uns wartete. Als wir schon nicht mehr wirklich an unseren Afghanistantrip glaubten, kam wieder Hoffnung auf. Der hohe Beamte nahm unsere Paesse entgegen, tippte die Visa-Nummer ins System ein, gab uns schliesslich ein Fresszettelchen mit einer Nummer und einem Datum drauf und meinte: “In Herat geht Ihr aufs iranische Konsulat, nennt diese Nummer und dieses Datum, dann werden euch unmittelbar neue Visa fuer die erneute Einreise in den Iran ausgestellt.” So einfach geht das, wenn man die richtige Person in diesem dichten Dschungel der Buerokratie erwischt. Und so ganz nebenbei: der Beamte sprach mit uns in ziemlich gut verstaendlichem Deutsch. Es war etwa zehn Uhr morgens und wir hatten nun die Versicherung, dass wir von Afghanistan wieder in den Iran zurueckreisen und somit unseren Flug ab Maschad antreten koennen. Die afghanische Botschaft schliesst jeweils um zwoelf Uhr mittags. Also, Taxi zur Sefarat-e Afghanestan, das Schreiben der Schweizerischen Botschaft und unserer Paesse abgeben, die auszufuellenden und zu kopierenden Formulare entgegennehmen, Botschaft verlassen, im Buero auf der anderen Strassenseite Formulare per Schreibmaschine ausfuellen lassen, in demselben Buero Passfoto machen lassen (und zwar mit Fotoapparat auf Stativ), im Buero um die Ecke den ganzen Papierkram kopieren lassen, zurueck zur Botschaft, alles abgeben, Einzahlungsschein entgegennehmen, Taxi zur Bank, einzahlen, Taxi zurueck zur Botschaft, 12:05 alles abgeben, in zwei Tagen stehen die Visa bereit. Das klingt zwar alles ziemlich muehsam und kompliziert, aber der im Unterschied zu unserer Buerokratie hat man nach zwei, drei Tagen, was man wollte. In der Schweiz haette wohl die Bearbeitung eines der unzaehligen Formulare zwei Wochen in Anspruch genommen. Aber wir fahren am Donnerstag nach Afghanistan. Dank der iranischen Buerokratie!

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